Kreuzbandersatz

Der Riss des vorderen Kreuzbandes stellt eine sehr häufige Verletzung bei Sportarten wie Fußball oder Skifahren dar. Das hintere Kreuzband reißt wesentlich seltener. Ein gerissenes vorderes Kreuzband kann von selbst nicht heilen und führt durch die damit verbundene Instabilität im Kniegelenk zu Knorpel- und Meniskusschäden. Zwischen dem Riss und den durch die Instabilität verursachten Folgeschäden an Meniskus und Gelenkknorpel liegt meist ein relativ beschwerdearmer Zeitraum von mehreren Jahren. In dieser Zeit können die Verletzten oft auch Sport treiben, ohne Schmerzen. Das ist auch der Hauptgrund für den noch weit verbreiteten Irrglauben, ein Kreuzbandriss könne ohne Operation ausheilen und das verletzte Knie durch Muskelkräftigung stabilisiert werden. Leider stellt sich oft nach Jahren heraus, dass man dem Knie erhebliche Schäden zugefügt hat und dann oft nur noch ein Ersatz der Oberfläche durch eine Schlittenprothese möglich ist. Beim Ersatz des gerissenen vorderen Kreuzbandes stehen mehrere Verfahren zur Auswahl, von denen 2 weltweit bevorzugt werden:

  • der Ersatz mit der Patellarsehne (Kniescheibensehne)
  • der Ersatz mit der Semitendinosussehne (Oberschenkelbeugesehne)
  • Methoden unter Verwendung künstlicher Bänder sind aufgrund schlechter Ergebnisse nicht mehr gebräuchlich.


Bei der Patellarsehne wird ein Streifen mit anhängenden Knochenblöcken entnommen und zu einem Transplantat vorbereitet, das in der Regel 8 – 10 mm dick ist.

Die Semitendinosussehne kann ebenfalls problemlos über einen kleinen Schnitt mit Spezialinstrumenten entnommen werden und wird als Doppelschlinge verarbeitet. Diese Transplantate können dann an genau festgelegten Orten im Knie durch präzise vorgebohrte Kanäle eingesetzt und befestigt werden. Zur Fixierung verwendet man meist über Monate selbstauflösende Interferenzschrauben oder Querstifte.

Die sog. Doppelbündel-Technik wird von uns in speziellen Fällen eingesetzt. Obwohl es bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis der Überlegenheit gegenüber einem anatomisch plazierten Einfachbündel-Transplantat gibt, halten wir das Verfahren für zukunftsträchtig und setzen es ein. Das Ergebnis ist mit allen Techniken in etwa gleich: bei 9 von 10 Operierten erreicht man die Wiederherstellung eines stabilen Gelenkes.

Nach der Operation ist eine 3-wöchige Schonzeit angesagt, in der man das Bein nur leicht belastet und nicht voll beugt. Anschließend werden die Gehstützen weggelassen und das Knie darf wieder voll bewegt werden. Krankengymnastik und Lymphdrainage beschleunigen die Heilung. Etwa 5 Wochen postoperativ beginnt die aktive Phase des Aufbautrainings, die meist nach 3 Monaten abgeschlossen ist.

Je nach Art der beruflichen Belastung beträgt die Arbeitsunfähigkeitsdauer zwischen 3 und 12 Wochen. Leichte sportliche Belastung ist etwa nach 3 Monaten möglich, belastende Sportarten wie Fußball und Skifahren sollten erst nach 6 – 10 Monaten in Abhängigkeit vom Trainingszustand wieder aufgenommen werden.